Grenzen unserer Bilder - Grenzen unserer Welt



Grenzen gibt es in der Politik und in der Wirtschaft, in der Mathematik und in der gesellschaftlichen Zugehörigkeit. Vor allem aber in der Wahrnehmung eines jeden Einzelnen - schließlich sieht man bekanntlich nur das, was man ohnehin schon weiß.

Die Fotografengruppe, hervorgegangen aus der Fotoschule-Koeln, hat sich auf die Suche nach eben diesen Grenzen gemacht. Heraus gekommen sind dabei die klassische Schwarz-Weiß-Reportage und die experimentelle Collage, verfremdete Stills und moderne Diptychen von Gangolf Bartz, Edith Buchhalter, Uwe Müller, Ingrid Schreiber, Frank Steinbach, Nicole Wustrack und Damian Zimmermann.


Die Vernissage findet statt am

Mittwoch, 27. September 2006, um 20 Uhr.

im Kulturbunker Mülheim
Berliner Straße 20
51063 Köln.


Die Öffnungszeiten sind:

Do 28.09., 17 bis 22 Uhr
Fr 29.09., 10 bis 22 Uhr
Sa 30.10., 10 bis 20 Uhr
So 01.10., 11 bis 16 Uhr
Mo 02.10., 17 bis 22 Uhr
Di 03.10., 11 bis 16 Uhr

Die Ausstellung wird veranstaltet im Rahmen der Internationalen Photoszene Köln
parallel zur Photokina.




Gangolf Bartz


Mit seinen großformatigen Aufnahmen hat sich Bartz auf die Suche nach aktuellen Darstellungsformen für die Aura von Orten und Landschaften gemacht. Gleichzeitig lotet er die Grenzen unserer Wahrnehmung aus. Die wesentlichen Stilmittel sind dabei Farbverschiebungen durch Crossentwicklung sowie Unschärfen durch offene Blenden und die Abbildungsfehler alter Objektive.


Gangolf Bartz, Jahrgang 1950, lebt in Köln.
In der Fotoschule-Köln lernte er die Grundlagen fotografischer Arbeit, und er beteiligt sich seit dem in den Arbeitsgruppen der Fotoschule an der Weiterentwicklung und der Diskussion fotografischer Themen und Probleme.


gangolfbartz@gmx.de




Edith Buchhalter


Die Fotografie ist ein Medium für künstlerische Statements über die Wirklichkeit. Sie ist kein Selbstzweck, um ‚schöne' zweidimensionale Abbildungen zu erzeugen, sondern sie stellt sich in den Dienst von Fragen nach der Beschaffenheit der uns umgebenden Materialität. Materialität ist grenzenlos, fordert aber genaue Auseinandersetzung mit den Möglichkeiten ihrer Darstellung. Materialiät ist dinglich und menschlich zu verstehen und sie ist in Bewegung. Die Fotocollage bietet sich mit ihren Möglichkeiten als Medium an, Mehrdimensionalität und Bewegung von Materialität zusammenzubringen.

In der Ausstellung zeigt Edith Buchhalter Fotocollagen, in denen die menschliche Figur oder das menschliche Gesicht und ihr Bezug zu anderen Ebenen immer erkennbar bleibt. Lebenskreisläufe werden sichtbar, Abschiede vom Leben, Schatten mit großem Einfluss oder Gegensätze von Alt und Jung. Die an das Plakat erinnernde Form der Arbeiten bringt die Fotografie mit einer einfachen Verarbeitungsweise zusammen und spielt so mit Bedeutungsbezügen wie handgemacht, Werbung, Kinoplakat oder auch das Zerschneiden als einer Wurzel der Collage.


Edith Buchhalter, Jahrgang 1960, lebt und arbeitet in Köln. Nach ihrem Studium der Psychologie hat sie eine eigene psychotherapeutische Praxis eröffnet. Künstlerisch-fotografisch tätig ist sie seit 2000.


www.edith-buchhalter.de

ebuchhalter@netcologne.de




Uwe Müller


Als wir während der Vorbereitungen über den Titel "Grenzen unserer Bilder - Grenzen unserer Welt" diskutierten, musste ich an ein Paar denken, das mir im Sommer 2003 während einer Reise ins Oderbruch begegnete.

In einem der Bruchdörfer etwas abseits der anderen Häuser stand ein alter Fachwerkhof. Vor dem Gebäude arbeitete ein Mann in seinem Garten. Ich fragte den Mann, ob ich ihn bei seiner Arbeit beobachten und fotografieren dürfte. Nach einigen ungläubigen Blicken willigte er ein und zeigte mir den Hof, den Garten und die Ställe. Als wir in das Haus gingen, saß in der Küche eine grauhaarige Frau. Sie erschien mir irgendwie abwesend, und ich fragte mich, ob sie mich, obwohl ich mich vorstellte, richtig wahrgenommen hatte. Der Mann setzte sich gegenüber der Frau an den Tisch und schaute sie fragend an. Sie sprachen nicht miteinander.

Als ich die Fotos dann später betrachtete, spürte ich Traurigkeit und eine sprachlose Einsamkeit zwischen den beiden. Wie eine Wand oder unsichtbare Grenze nach einer Verletzung die nicht verheilt war, ein Zwist, ein nicht verstehen können oder wollen, Traurigkeit ohne Trost, sich mitteilen wollen und doch sprachlos bleiben, ganz nah sein, doch trotzdem nicht erreichbar.

Ein Bild ist immer ein Moment, subjektiv wahrgenommen. Ich weiß nicht, ob es in diesem Moment wirklich so war, wie ich es empfunden habe.

Aber diese Gedanken kamen mir in den Sinn.


Uwe Müller, Jahrgang 1963, wuchs in Eisenhüttenstadt (Brandenburg) auf. 1985 wurde er Mitglied in der Betriebsfotogruppe des Stahlwerkes Eisenhüttenstadt und beteiligte sich an Fotoschauen und Wettbewerben im ehemaligen Bezirk Frankfurt/Oder und der ehemaligen DDR. Von 1989 bis 1991 war Uwe Müller freier Fotograf bei der "Märkischen Oderzeitung" in Eisenhüttenstadt. Zwischen 2001 bis 2004 nahm er an Kursen (Bildgestaltung, Autonome Fotografie, Porträt, Kreatives Blitz-Licht, Arbeitsgruppe 2) der Fotoschule-Köln bei Oliver Rausch teil. Seit 2003 folgten regelmäßig Ausstellungen in der Stadtgalerie Niederkassel, im Rathaus Köln-Porz, in der Fotoschule-Köln und im Rathaus Leverkusen.


www.fotografie-uwemueller.de

uwe-mueller@netcologne.de




Ingrid Schreiber


Fotos liefern Ingrid Schreiber den Rohstoff für Verfremdungen und Collagen auf ihrer Forschungsreise durch die innere und äußere Welt. Aus Emmentaler Käse wird im Labor ein Rock geschneidert, Fotos werden "falsch" behandelt und dürfen "schräg" sein, werden beklebt, überlagert, mit alten Druckverfahren gemixt, photochemisch verändert, teilweise mit Text verbunden. Impulsgeber auf diesem Weg ist die Fotokünstlerin Carmen Oberst in Hamburg und der Austausch mit der Arbeitsgruppe 2 an der Fotoschule Köln.

Die ausgestellten Bilder sind durch Bearbeitung im Labor und im Cyanotypieverfahren (Blaudruck) - einem alten, monochromen, fotografischen Druckverfahren - entstanden.


Ingrid Schreiber, Jahrgang 1960, lebt und arbeitet seit 1987 in Köln. Ihre Stationen bis dahin waren Kelheim an der Donau, Regensburg, Nürnberg, Nîmes, München, Aachen und die Philippinen. Seit 2001 nimmt sie jährlich an der Internationalen Photo-Unikat-Postkarten Aktion (IPUPA) in Hamburg teil, die von Carmen Oberst initiiert wird.
(www.ifupa.com)


schreiber.ingrid@freenet.de




Frank Steinbach


Die Prinzeninseln, nur zehn Kilometer vor Istanbul gelegen, sind Sommerresidenz vieler reicher Istanbuler, die vor der unerträglichen Hitze der Stadt flüchten und auf den Inseln in ihren herrschaftlichen weißen Prachtvillen aus Holz die Sommerfrische genießen. Schon Atatürk schätzte die Idylle der Inseln und verfügte, dass es auf den Inseln keinen Autoverkehr geben darf. Dies gilt bis heute unverändert, so dass sich Pferdekutschen als das alltägliche Fortbewegungs- und Transportmittel gehalten haben. Im Gegensatz zu den Villenbesitzern, die der reichen Oberschicht angehören, repräsentieren die Kutscher eine soziale Randgruppe am unteren Ende der sozialen Skala innerhalb der Boom-Metropole Istanbul.


Frank Steinbach, Jahrgang 1966, lebt und arbeitet in Köln. Er fotografiert klassische Reportagen und Essays seit 1999.


fsteinb1@web.de




Nicole Wustrack


"Die Ferne zu den Anderen, in die uns dieses Bewusstsein rückt, wird noch einmal größer, wenn uns klar wird, dass unsere äußere Gestalt den Anderen nicht so erscheint wie den eigenen Augen.
Menschen sieht man nicht wie Häuser, Bäume und Sterne. Man sieht sie in der Erwartung, ihnen auf bestimmte Weise begegnen zu können und sie dadurch zu einem Stück des eigenen Inneren zu machen."

(aus: Pascal Mercier - "Nachtzug nach Lissabon")


Nicole Wustrack, Jahrgang 1972, ist Diplom-Sozialpädagogin mit dem Schwerpunkt Fotopädagogik, arbeitet seit 1999 als Bildredakteurin in einer Kölner Fotoagentur. Seit 2000 nahm sie an verschiedenen Ausstellungen teil, u.a. Ignis Köln, Galerie Hexagone Aachen.


www.im-augenblick.de

nic@im-augenblick.de




Damian Zimmermann


Für seine aktuelle Serie "R45" kombiniert Damian Zimmermann jeweils ein Portrait mit einer Landschafts- oder Situationsaufnahme, die die emotionale Verfassung des Abgebildeten interpretiert - wie im Fall des Krankenhaus-Patienten, der durch eine Windschutzscheibe mit toten Insekten in einen Wolken verhangenen Himmel schaut. Doch auch lustig-zynische Gegenüberstellungen sind Teil der Fotoserie. Ein Beispiel hierfür ist der autofahrende Handwerker, den er mit den Schienen einer Kindereisenbahn kombiniert - ein Sinnbild für den ewig selben Trott im Alltag eines Menschen.

Zynisch ist auch bereits der Titel: "R45" ist ein so genannter ICD10-Code, mit dem medizinische Diagnosen klassifiziert werden - vor allem zur Abrechnung mit der Krankenkasse. "R45" steht dabei für alle "Symptome, die die Stimmung betreffen" wie beispielsweise Nervosität (R45.0), Unglücklichsein (R45.2) und Emotionaler Schock (R45.7).


Damian Zimmermann, Jahrgang 1976, lebt und arbeitet als Journalist und Fotograf in Köln. Seine Schwerpunkte sind die Konzept- und Portraitfotografie.


www.damianzimmermann.de

info@damianzimmermann.de




Veranstaltungshinweis


In den Räumen des Kulturbunkers findet zeitgleich eine weitere Ausstellung statt. Die Künstlerin Susanne Bade zeigt "Malerei und Zeichnung" vom 28.09. bis 03.10.2006.

Erstmalig werden ihre Werke in Öl und Graphit präsentiert.

Sie beschäftigt sich mit Papiertüten und dem Thema Kommunikation.

Das Atelier ist wie folgt geöffnet:

Mo, Do, Fr: 17-22 Uhr
Di, So: 11-17 Uhr
Sa: 10-20 Uhr

Bitte beachten Sie, dass der Haupteingang des Kulturbunkers nicht zum Atelier in der 4. Etage führt, sondern der Nebeneingang (Klingel "DG") neben dem grauen Bauwagen.


www.artandmind.de








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